Ein Angelsachse hat die Thüringer zum Christentum bekehrt

Warum wird Kloster Göllingen auch als Kloster Sankt Wigbert bezeichnet? Diese Bezeichnung bezieht sich darauf, dass der Hauptaltar der Klosterkirche schon bei der Gründung des Klosters vor über 1000 Jahren dem heiligen Wigbert geweiht worden war. Ihm sollte dort eine besondere Verehrung entgegengebracht werden.

Wigbert ist in den Jahren 736 oder 746 in Fritzlar gestorben. Geboren worden ist er ganz woanders, im heutigen England, in Wessex. Er war einer der zahlreichen angelsächsischen (=aus England stammenden) Mönche, die im 7. und 8. Jahrhundert in noch heidnischen Gebieten Mitteleuropas missioniert haben. Auch die Thüringer beteten im 7. Jahrhundert trotz einiger Missionsversuche noch überwiegend germanische Gottheiten, wie Donar (Thor) und Freya an. Unter den angelsächsischen Missionaren besonders eifrig bei dem Bemühen, die Thüringer zum christlichen Glauben zu bekehren, war Bonifatius. Er ist vor allem damit berühmt geworden, dass er die sogenannte Donar-Eiche als Symbol der heidnischen Gottheiten gefällt hat, um zu zeigen, dass der christliche Gott mehr Macht als die heidnischen Götter hat. Wigbert war ein enger Vertrauter und Gefährte von Bonifatius. Wigbert hat ab 730 vom Kloster Ohrdruf aus in Thüringen missioniert. Später hat er in Fritzlar als Abt und Lehrer gewirkt. Dabei soll er der Überlieferung nach als vorbildlicher Christ gelebt und auch Wunder vollbracht haben. Bei einem davon soll er von einem Weinstock, der nur in seiner Vorstellung existiert hat, die Trauben ausgepresst haben, um fehlenden Wein für die heilige Messe zu beschaffen. Deshalb wird der heilige Wigbert auf Bildern und als Statue mit Weintrauben dargestellt.

Aber warum wurde gerade der heilige Wigbert  in Göllingen verehrt? Dass der heilige Wigbert zum Kirchen-Patron ausgewählt wurde, lag vor allem daran, dass Kloster Göllingen eine Gründung der Abtei Hersfeld war und immer ein Zweigkloster, eine Propstei, der mächtigen Reichsabtei in Hessen geblieben ist. Auch in der riesigen Abteikirche in Hersfeld war dem heiligen Wigbert ein Altar geweiht. Seine sterblichen Überreste waren vom Gründer der Abtei, Lullus im Jahr 780 aus Fritzlar dorthin überführt worden. Es wurde zur Tradition, dass von der Abtei Hersfeld ausgehende Kirchengründungen das Patrozinium (=Schutzherrschaft eines Heiligen über eine Kirche) des heiligen Wigbert bekommen haben.  Zahlreiche Kirchen im früher zur Abtei Hersfeld gehörenden Gebieten sind bis heute Wigberts-Kirchen, so z. B. in Kölleda, Allstedt oder Riestedt. In Werningshausen bei Straußfurt ist vor einigen Jahren sogar an einer schon lange existierend Wigbertskirche ein neues ökumenisches Kloster St. Wigbert entstanden. 

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